Textilien

Bild Themen TextilienxK. Cherenack, ETH Zürich

Der Einsatz von Nanotechnologie bei Textilien ist in vollem Gange. Es werden heute vor allem Nanomaterial-haltige Textilien angeboten, die wasser- und schmutzabweisend sind, antibakteriell wirken oder mit einem UV-Schutz ausgestattet sind.

Es gibt keine nanospezifische Regulierung von Nano-Textilien. Auch müssen die Nanomaterialien in den Textilien nicht deklariert werden. Inventare zeigen aber, dass Nanomaterialien in der Textilbranche bereits breit angewendet werden.

In Zukunft sollen so genannte intelligente Textilien (elektronische Textilien = e-textiles oder smart textiles) mit neuartigen Funktionalitäten und Eigenschaften auf den Markt kommen. Das Textilgewebe soll selbst zum elektronischen System werden. So sollen Sensoren zur Überwachung von Körperfunktionen direkt in die Textilien eingebaut werden oder die Kleidung der Zukunft wird zur Energiegewinnung genutzt.

Nach aktuellem Stand des Wissens sieht eine Expertenmehrheit keine gesundheitlichen Risiken durch das Tragen von heute verfügbaren Nano-Textilien. Nanopartikel aus Textilien können aber bei der Nutzung sowie der Entsorgung in die Umwelt gelangen. Die Risikobeurteilung für Mensch und Umwelt fällt je nach Nanomaterial unterschiedlich aus, wobei die grössten Bedenken bei Silber Nanopartikel liegen.

 


Laufende Entwicklungen

Januar 2017

Ding et al. (2016) studierten den Einfluss des natürlichen Alterungsprozesses auf die Freisetzung von Silber Nanopartikeln aus funktionellen Textilien. Sie stellten eine beschleunigte Freisetzung von heute bereits üblichen Zusätzen von Silber Nanopartikeln in Textilien fest. Das Freisetzungspotential wurde in fünf verschiedenen Expositions-Szenarien erfasst (Leitungswasser, Regenwasser, Waschmittellösungen, etc.). Alle diese Szenarien treten während dem Lebenszyklus eines Textils auf. Bei gealterten Textilien stieg die totale Menge an freigesetztem Silber um 75 – 386% an. Es wurde klar gezeigt, dass sich die Silber Nanopartikel von den Textilfasern während des Alterungsprozesses isolierten. Die Autoren erachten diese Resultate als wichtige Information für die Risikobeurteilung von Nano-Textilprodukten.

Mai 2016

Der zunehmende Bedarf von Konsumentinnen und Konsumenten für haltbare und funktionale Kleidung hat eine Gelegenheit der Integration von Nanomaterialien in Textilien eröffnet. Yetisen et al. (2016) publizierten einen Reviewartikel zur Nanotechnologie in Textilien. Nanobestandteile können die Abstossung von Schmutz, die Elimination von statischer Aufladung, die Verhinderung des Knitterns oder die elektrische Leitfähigkeit der Fasern bewirken, ohne dass der Komfort und die Schmiegsamkeit der Textilien beeinflusst werden. Zudem haben Nanomaterialien das Potential, Kleidungsstücke zu erzeugen, welche auf externe Impulse via elektrische, physiologische oder Farbreaktionen antworten. Der Review diskutiert die möglichen neuen Errungenschaften bei Textilien und geht auch auf die Risikofaktoren ein, die durch die Freisetzung beim Waschen oder durch die Entsorgung auf die Umwelt entstehen können.

April 2016

Die Anwendung von Nanosilber als ein antibakterielles Agens wird zunehmend in verschiedenen Produkten eingesetzt, so auch insbesondere in Textilien. Limpiteeprakan und Babel (2016) befassten sich mit dem Freisetzungspotential von Silber aus mit Nanosilber behandelten Textilprodukten (Artikel auf Englisch; nur Abstract frei verfügbar). Die Resultate weisen darauf hin, dass die Menge an freigesetztem Nanosilber vom Typ des Textils abhängig ist. Die Grösse der freigesetzten Nanosilberpartikel ist verschieden bei jedem Textil. Die Silberkonzentrationen bewegen sich zwischen 4.3 und 64.9 Mikrogramm pro Liter bei kommerziellen Textilprodukten.

März 2016

Tragbare Elemente für die Überwachung der Gesundheit von Konsumenten sind stark im Aufkommen. Oft sind diese Behelfe mit Hilfe der Nanotechnologie hergestellt. Die tragbaren „Apparate“ können Patienten personalisierte Gesundheitsdaten liefern, zwecks einer Selbstdiagnose und dem richtigen Verhalten. Allerdings gibt es zahlreiche Bedenken über die Sicherheit und Zuverlässigkeit solcher tragbaren Instrumente im Gesundheitsbereich. Piwek et al. (2016) zeigen die heutigen Möglichkeiten auf und stellen die Frage, ob die tragbare Konsumenten-Technologie von der medizinischen Gemeinschaft akzeptiert werden wird.

Februar 2016

Intelligenten Textilien

 


Rechtliche Grundlagen zu Textilien:

In der Schweiz sind zur Produktegruppe Textilien gehörenden Gegenstände durch Artikel 5, Buchstaben c und f des Lebensmittelgesetzes LMG erfasst.

Im 4. Abschnitt der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung LGV (Gegenstände für den Schleimhaut-, Haut- oder Haarkontakt) sind in Artikel 42 (Textile Materialien und Ledererzeugnisse) Textilien als Bedarfsgegenstände geregelt. In Artikel 42, Absatz 3 können Höchstmengen für die Abgabe von Stoffen festgelegt werden. Nanomaterialien in Textilien sind aber nicht explizit benannt.

Die Etikettierung und Kennzeichnung von Textilien ist in Artikel 31, Absatz 5 der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung (LGV) geregelt. Nanomaterialien sind nicht explizit erwähnt.

Auch in der EU gibt es keine spezifische Regelung von Nanomaterialien in Textilien. Die Hersteller sind durch die Richtlinie 2001/95/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über die allgemeine Produktsicherheit verpflichtet, die Sicherheit ihrer Produkte zu garantieren (Artikel 3).

In der EU wird die Ausrüstung von Textilien mit Bioziden durch die Biozid-Produkte-Richtlinie (98/8/EG) und die Verordnung (EU) Nr. 528/2012 geregelt.

 

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